Das Beispiel Google wurde aufgrund der Bekanntheit gewählt. Auch andere Firmen versuchen ähnliche Dienste zu etablieren, die vergleichbar arbeiten. (MSN, Yahoo, Amazon...).
Google kontrolliert deine E-Mail, deine Videos, deinen Kalender, deine Suchanfragen ... Was wäre, wenn es dein Leben kontrollierte?
Scroogled
Google Web Search
Googles Websuche ist in Deutschland die Nummer Eins. 89% der Suchanfragen gehen direkt an
google.de. Mit den Suchdiensten wie Ixquick, Metager2, Web.de... die indirekt Anfragen an Google weiterleiten, beantwortet der Primus ca. 95% der deutschen Suchanfragen. (2008)
- Laut Einschätzung der Electronic Frontier Foundation werden alle Suchanfragen protokolliert und die meisten durch Cookies, IP-Adressen und Informationen von Google Accounts einzelnen Nutzern zugeordnet.
In den Datenschutzbestimmungen von Google kann man nachlesen, dass diese Informationen (in anonymisierter Form) auch an Dritte weitergegeben werden. Eine Einwilligung der Nutzer in die Datenweitergabe liegt nach Ansicht der Verantwortlichen vor, da mit der Nutzung des Dienstes auch die AGBs akzeptiert wurden. Sie sind schließlich auf der Website öffentlich einsehbar.
Sie können es ablehnen, personenbezogene Daten an unsere Services zu übermitteln. In diesem Fall ist Google möglicherweise nicht in der Lage, Ihnen diese Services zur Verfügung zu stellen.
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Nicht nur die Daten der Nutzer werden analysiert. Jede Suchanfrage und die Reaktionen auf die angezeigten Ergebnisse werden protokolliert und ausgewertet.
Google Flu Trends zeigt, wie gut diese Analyse der Suchanfragen bereits arbeitet. Anhand der Such-Protokolle wird eine Ausbreitung der Grippe um 1-2 Wochen schneller erkannt, als es bisher dem U.S. Center for Disease Control and Prevention möglich war.
Die mathematischen Grundlagen für diese Analysen wurden im Rahmen der Bewertung von Googles 20%-Projekten entwickelt. Bis 2008 konnten Entwickler bei Google 20% ihrer Arbeitszeit für eigene Ideen verwenden. Interessante Ansätze aus diesem Umfeld gingen als Beta-Version online (z.B. Orkut). Die Reaktionen der Surfer auf diese Angebote wurde genau beobachtet. Projekte wurden auch wieder abgeschaltet, wenn sie die harten Erfolgskriterien nicht erfüllten (z.B. Google Video).
Inzwischen hat Google die 20%-Klausel abgeschafft. Die Kreativität der eigenen Mitarbeiter ist nicht mehr notwendig und zu teuer. 30% des kreativen Stammpersonals von 2000 haben der Firma inzwischen den Rücken zugekehrt. (Stand 2008)
Die entwickelten Bewertungsverfahren werden zur Beobachtung der Trends im Web eingesetzt. Der Primus unter den Suchmaschinen ist damit in der Lage, erfolgversprechende Ideen und Angebote schneller als alle Anderen zu erkennen und darauf zu reagieren.
Ideen werden nicht mehr selbst entwickelt, sondern aufgekauft und in das Imperium "Google" integriert. Seit 2004 wurden 60 Firmen übernommen, welche zuvor die Basis für die meisten aktuellen Angebote von Google entwickelt hatten: Youtube, Google Docs, Google Maps, Google Earth, Google Analytics, Picasa, SketchUp, die Blogger-Plattformen...
Das weitere Wachstum des Imperiums scheint langfristig gesichert.
Zu spät hat die Konkurrenz erkannt, welches enorme Potential die Auswertung von Suchanfragen darstellt. Mit dem Börsengang 2004 musste Google seine Geheimniskrämerei etwas lockern und für die Bösenaufsicht Geschäftsdaten veröffentlichen. Microsoft hat daraufhin Milliaden Dollar in MSN Live Search versenkt und Amazon, ein weiterer Global Player im Web (verniedlichend als Online Buchhändler bezeichnet), versuchte mit A9 ebenfalls eine Suchmaschine zu etablieren.
Adsense, DoubleClick, Analytics & Co.
80% der wesentlichen deutschsprachigen Webangebote sind mit verschiedenen Elementen von Google für die Einblendung kontextsensitiver Werbung und Traffic-Analyse infiziert! (Reppesgaard:
Das Google Imperium, 2008) Jeder Aufruf einer derart präparierten Website wird bei Google registriert und ausgewertet.
Neben kommerziellen Verkaufs-Websites, Informationsangeboten professioneller Journalisten und unabhängige Blogger auf den Plattformen
blogger.com und
blogspot.com gehören auch viele private Websites dazu, die sich über ein paar Groschen aus dem Adsense-Werbe-Programm freuen.
Untragbar wird diese Datenspionage, wenn politische Parteien wie die CSU ihre Spender überwachen lassen. Die CSU bietet ausschließlich die Möglichkeit, via Paypal zu spenden. Die Daten stehen damit inklusive Wohnanschrift und Kontonummer einem amerikanischen Großunternehmen zur Verfügung. Außerdem lässt die CSU ihre Spender mit Google-Analytics beobachten. Der Datenkrake erhält damit eindeutige Informationen über politischen Anschauungen. Diese Details können im
Informationskrieg wichtig sein.
Google kennt also nicht nur den Inhalt der Websites, die vom Google-Bot für den Index der Suchmaschine abgeklappert wurden. Auch Traffic und Besucher der meisten Websites sind bekannt. Diese Daten werden Werbetreibenden anonymisiert zur Verfügung gestellt:
Die Grafik zur Besucherstatistik wurde vom Google Ad-Planner für eine (hier nicht genannte) Website erstellt. Man erkennt, das der überwiegende Anteil der Besucher männlich und zwischen 35-44 Jahre alt ist. (Die Informationen zu Bildung und Haushaltseinkommen müssen im Vergleich zu allgm. Statistiken der Bevölkerung bewertet werden, was hier mal entfällt.)
Wie kommt das Imperium zu diesen Daten? Es gibt so gut wie keine Möglichheit, diese Daten irgendwo einzugeben. Google fragt NICHT nach diesen Daten, sie werden gesammelt.
Die Daten werden aus der Analyse des Surf- und Suchverhaltens gewonnen. Google kauft bei Marktforschungsunternehmen große Mengen an Informationen, die in die Kalkulation einfließen.
Wenn jemand sich mit dem Browser des iPhone auf der Seite von BMW über Preise für einen Neuwagen informiert, kann Google ihn einer Einkommensgruppe zuordnen. Wird der Surfer später beim Besuch von Spiegel-Online durch Einblendung von Werbung wiedererkannt, kommt ein entsprechender Vermerk in die Datenbank. Außerdem kann die Werbung passend zu seinen Interessen und Finanzen präsentiert werden. (Die Realität ist natürlich etwas komplexer.)
Mit dem im April 2010 eingeführtem
Retargeting geht Google noch weiter. Mit Hilfe spezieller Cookies werden detailierte Informationen über Surfer gesammelt. Die Informationen sollen sehr genau sein, bis hin zu Bekleidungsgrößen, für die man sich in einem Webshop interessiert hat. Die gesammelten Informationen sollen die Basis für punktgenaue Werbung bieten. Beispielsweise soll nach dem Besuch eines Webshops für Bekleidung ohne Kaufabschluss permanent alternative Werbung zu diesem Thema eingeblendet werden.
Google Mail, Talk, News... (personalisierte Dienste)
Mit einem einheitlichem Google-Konto können verschiedene personalisierte Angebote genutzt werden. (Google Mail, News, Talk, Calendar, Alert, Orkut, Börsennachrichten..... iGoogle)
Bei der Anmeldung ist das Imperium weniger wissbegierig, als vergleichbare kommerzielle Anbieter. Vor- und Nachname, Login-Name und Passwort reichen aus. Es ist nicht unbedingt nötig, seinen realen Namen anzugeben. Ein Pseudonym wird auch akzeptiert.
Die Accounts ermöglichen es, das Surf- und Suchverhalten, die in den zusammengestellten Nachrichtenquellen erkennbaren Interessen usw. eindeutig einem Profil zuzuordnen. Die unsicher Zuordnung über allgmeine Cookies, IP-Adressen und andere Merkmale ist nicht nötig.
Außerdem dienen die Dienste als Flächen für personalisierte und gut bezahlte Werbung.
Patente aus dem Umfeld von Google Mail zeigen, dass dabei nicht nur Profile über die Inhaber der Accounts erstellt, sondern auch die Kommunikationspartner unter die Lupe genommen werden. Wer an einen Google Mail Account eine eMail sendet, landet in der Falle des Datenkraken.
Die Einrichtung eines Google-Accounts ermöglicht es aber auch, gezielt die gesammelten Daten in gewissem Umfang zu beeinflussen. Man kann Einträge aus der Such- und Surf-Historie löschen u.ä. (Besser ist es sicher, die Einträge von vornherein zu vermeiden.)
Google Chrome und Google Toolbar
Noch immer gibt es Millionen Surfer, die bisher keinen Google-Account eingerichtet haben. Um auch für diese Nutzer eindeutige Profile generieren zu können, hat Google den Webbrowser
Chrome und die
Google-Toolbar für diverse andere Webbrowser entwickelt.
Diese Applikationen senden zusammen mit einer nutzerspezifischen ID die Infomationen über jede besuchte Website an Google. (kein weiterer Kommentar nötig - oder?)
Google Chrome bietet einen sogenannten Privacy-Mode. In diesem Modus (auch Porno-Mode genannt) werden keine Daten auf die Festplatte geschrieben. Die Datenübertragung an Google bleibt davon aber unberührt.
Smartphone G1
Nach dem Erfolg von Apples iPhone hat Google die Zeichen der Zeit erkannt und sucht mit dem Smartphone G1 auf dem Markt der mobilen Kommunikation ähnliche Erfolge wie im Web.
Das G1 ist ein in Hardware gegossenes Pendant zum Webbrowser Google Chrome. Bei der Markteinführührung versuchte Google die Nutzer mit dem ersten Einschalten zu überreden, einen Google-Account anzulegen. Ohne Account bei Google ging fast nichts mit dem Hightech-Spielzeug, nur Telefonieren war möglich. Dieses Feature wurde auf Druck der Nutzer deaktiviert.
Bei der Nutzung sollen alle E-Mails über Google Mail laufen, Termine mit dem Google Calendar abgeglichen werden, die Kontaktdaten sollen bei Google landen....
Mozilla Firefox
Google ist der Hauptsponsor der Firefox Entwickler. Von 70 Mio. Dollar Einnahmen der Mozilla Foundation stammen 65 Mio. Dollar von Google.
Das ist natürlich in erster Linie ein Angriff auf Microsoft und den dominierenden Internet Explorer. Die Entwickler von Firefox kommen ihrem datensammelden Hauptsponsor jedoch in vielen Punkten deutlich entgegen:
- Google ist die einzige allgemeine Suchmaschine, die unbedarften Nutzern zur Verfügung steht. Alternativen sind standardmäßig nicht vorhanden und müssen von den Nutzer aktiv gesucht und installiert werden.
- Die Default-Startseite ermöglicht es Google, ein langlebiges Cookie zu setzen und den Browser damit praktisch zu personalisieren.
- Sollte die Startseite modifiziert werden (z.B. bei der Variante Iceweasel von Debian GNU/Linux), erfolgt die "Personalisierung" des Browsers wenige Minuten später durch Aktualisierung der Phishing-Datenbank.
- Diese "Personalisierung" ermöglicht es Google, den Nutzer auf allen Webseiten zu erkennen, die mit Werbeanzeigen aus dem Imperium oder Google-Analytics verschmutzt sind. Im deutschsprachigen Web hat sich diese Verschmutzung auf 4/5 der relevanten Webseiten ausgebreitet.
(Trotzdem ist Mozilla Firefox ein guter Browser. Mit wenigen Anpassungen und Erweiterungen von unabhängigen Entwicklern kann man ihm die Macken austreiben und spurenarm durchs Web surfen.)
Google-DNS
Mit dem DNS-Service versucht Google, die Digital Natives zu erreichen, Surfer die in der Lage sind, Cookies zu blockieren, Werbung auszubelenden und die natürlich einen DNS-Server konfigurieren können.
Google verspricht, dass die DNS-Server unter den IP-Adressen 8.8.8.8 und 8.8.4.4 nicht kompromittiert oder zensiert werden und bemüht sich erfolgreiche um minimale Verzögerungen bei den DNS-Antorten. Die Google-Server sind etwas 1/10 bis 1/100 Sekunde schneller als andere unzensierte DNS-Server.
Natürlich werden alle Anfragen gespeichert und ausgewertet. Ziel ist, die von erfahrenen Nutzern besuchten Websites zu erfassen und in das Monitoring des Web besser einzubeziehen. Positiv an dieser Initiative von ist, dass es sich kaum jemand leisten kann, die Wirtschaftsmacht Google zu blockieren. Damit wird auch die Sperrung alternativer DNS-Server, wie es in Deutschland im Rahmen der Einführung der Zensur geplant war, etwas erschwert,
Die (virtuelle) Welt ist eine "Google" - oder?
Die vernetzten Rechenzentren von Google bilden den mit Abstand größten Supercomputer der Welt. Dieser Superrechner taucht in keiner TOP500-Liste auf, es gibt kaum Daten, da das Imperium sich bemüht, diese Informationen geheim zu halten. Die Datenzentren werden von (selbständigen?) Gesellschaften wie Exaflop LLC betrieben.
Neugierige Journalisten, Blogger und Technologieanalysten tragen laufend neues Material über diese Maschine zusammen. In den Materialsammlungen findet man 12 bedeutende Anlagen in den USA und 5 in Europa, die als wesentliche Knotenpunkte des Datenuniversums eingeschätzt werden. Weitere kleinere Rechenzentren stehen in Dublin, Paris, Mailand, Berlin, München Frankfuhrt und Zürich. In Council Bluffs (USA), Thailand, Malaisia und Litauen werden neue Rechenzentren gebaut, die dem Imperium zuzurechnen sind. Das größte aktuelle Bauprojekt vermuten Journalisten in Indien. (Stand: 2008)
Experten schätzen, dass ca. 1 Mio. PCs in den Rechenzentren für Google laufen (Stand 2007). Alle drei Monate kommen etwa 100 000 weitere PCs hinzu. Es werden billige Standard-PCs verwendet, die zu mehreren Clustern zusammengefasst und global mit dem
Google File System (GFS) vernetzt werden. Das GFS gewährleistet dreifache Redundanz bei der Datenspeicherung.
Die jährlichen Kosten für diese Infrastruktur belaufen sich auf 2 Milliarden Dollar. (2007)
Die Videos von Youtube sollen für 10% des gesamten Traffics im Internet verantwortlich sein. Über den Anteil aller Dienste des Imperiums am Internet-Traffic kann man nur spekulieren.
Google dominiert unser (virtuelles) Leben.
Dabei geht es nicht um ein paar Cookies sondern um eine gigantische Maschinerie.
Das Image ist (fast) alles
Die Archillesferse von Google ist das Image. In Ländern, die traditionell skeptisch gegenüber amerikanischen Unternehmen eingestellt sind, konnte Google längst nicht diese Markbeherrschung aufbauen wie in den USA und Westeuropa.
In Russland und China beantwortet der Suchdienst weniger als 20% der Anfragen. Primus in Russland ist die Suchmaschine
Yandex, in China dominiert
Baidu, in Tschechien
Seznam.